Auch ich war in der EWS Lehrling - ein Beitrag von Roland Schwaten

Da der Bericht von Manfred Albrecht weitgehend meinen Erfahrungen entspricht, schildere ich meine Erinnerungen und beginne mit der Eignungsprüfung.

Mein Wunsch war es Elektromonteur zu werden, so lautete auch meine Bewerbung. Bei der von Manfred A. und Reiner Seibt geschilderten Eignungsprüfung passierte mir ein folgenschwerer Fehler. In das vorliegende 3 dimensional gezeichnete Zimmer mussten Schalter, Lampe und Steckdose mit Drähten verbunden werden. Mutig und unbekümmert wie ich war zog ich die Striche einfach quer durch das Zimmer ohne Zimmerecken oder Zimmerhöhe zu beachten. Ich war damit als Elektriker disqualifiziert.

In der praktischen Prüfung war neben anderen Übungen mit einer Reißnadel und Lineal eine Blechplatte in gleich große Karos einzuteilen und deren Kreuzpunkte mußten mit einem Körner markiert werden. Das gelang mir ganz gut. So wurde ich als Werkzeugmacher eingestuft. Aber welch eine Tragödie. Mein Bruder lernte im 2. Lehrjahr in der EWS Werkzeugmacher.

Nun mußte mein Vater, der in der EWS als Technologe bekannt war, mit Herrn Mannsfeld feilschen und mein sonst gutes Eignungsergebnis in neue Berufsbahnen lenken. Herr Mannsfeld bestand auf meinen akzeptablen praktischen Ergebnissen und mein Vater bestand auf keinen zweiten Werkzeugmacher in der Familie. So wurde ich als Elektromechaniker zugelassen.

Nun aus meiner Sicht und Erinnerung die Logik eines Konzerns der sein eigenes Personal heranzieht bzw. ausbildet:

Das erste Lehrjahr bedeutet Knechtschaft.

Hier wurde uns Lehrlingen beigebracht was Ordnung, Sauberkeit, Disziplin, Fleiß und Lernziel unter Benutzung aller mech. und manuellen Bearbeitungsmöglichkeiten erforderlich war. Manfred hat all die Fertigkeiten aufgezählt. Unsere wirren Gedanken wurden geordnet und positiv bis zum Teamgeist beeinflusst. Das Ziel war im Berufswettbewerb Spitze zu sein. Ich war Mitglied im Lernaktiv " Energie ".

Unsere Lehrmeister waren auf diese Anforderungen eingestellt und damit auch manchmal unbequem. Ich hatte eines Tages das Gefühl, Herrn Kresse eins auswischen zu müssen und wurde dafür fristlos entlassen. Mein Vater und Herr Mannsfeld konnten meine unüberlegte Handlung als private Angelegenheit abbiegen und ich durfte nach 14 Tagen meine Lehre fortsetzen.

Manfred Albrecht schildert die Charakterbildung und fundierte Wissensvermittlung mit dem Ziel: Liebe deinen Beruf. Ich stimme dem voll zu und bin ebenso stolz ein EWS-ler zu sein. Diese Lehrzeit war Maßstab an die Anforderungen meiner gesamten Weiteren beruflichen Entwicklung.

Das zweite Lehrjahr im Konzern war die geballte Wissensvermittlung aller erforderlichen Fertigkeiten in den Produktionsbereichen.

Hier waren die Lehrlinge heilig gesprochen und durften zu keinerlei Sonderaufgaben abgezogen werden. Begründet auch darin, da es ja teilweise nur kurze Zeit des Verbleibens in der jeweiligen Abteilung gab.

Aber auch in den einzelnen Abteilungen gab es Erziehungseffekte zur Erinnerung " Lehrjahre sind keine Herrenjahre ". Ich erinnere an den Speicherbau. Wegen überziehen der Pause oder verlassen des Bereiches ohne Erlaubnis durfte man die Glaswolle mit den bloßen Händen einstopfen. Im Normalfall gab es für diese Arbeit ein Stück Holz. In anderen Abteilungen, wo es keine direkte Sanktionen gab, wurden die diensthabenden 3jährigen informiert. Aber insgesamt war das zweite Lehrjahr das effektivste. Tauchsiederproduktion, Reglerbügeleisen Anker- und Spulenwickelei und die von Manfred aufgezählten Techniken war Wissenanreicherung pur.

Das dritte Lehrjahr war die Vollendung der Lehrzeit in Abteilungen und Vorbereitung auf den künftigen Einsatzbereich.

Hier zog der Konzern bereits Nutzen aus den Lehrlingen. Für mich war ein Platz in der Gütekontrolle Großküchen und Herdbau vorgesehen. Am Ende meiner Lehrzeit konnte ich weitgehend Zeichnungs- und auftragsgemäß den Zusammenbau der Geräte nachvollziehen. Z. B. benötigte ein Auftrag nach Rußland an allen möglichen und unmöglichen Stellen Federringe. Dagegen verlangte der Auftraggeber " Quellux Fürth " bei Kabelzuführung verzinnte Ösen und keine Quetschringe.

Ich gebe Manfred Albrecht in allen Einschätzungen unserer Lehrmeister recht. Sie verstanden es meisterlich uns bei aller Strenge zur Besinnung zu bringen, zu formen und Ehrgeiz heraus zu kitzeln.

Zum Beitrag vom Volker Bleul.

"Jeden Freitag ...". ein paar abschließende Gedanken. Ich bin der Meinung hier irrt Volker. Der Putztag war der Samstag. Und da gab es einige wichtige Grundsätze. Mein Bruder war ja Dreijähriger als ich Stift war. Und schon früh wenn es ihm gefiel am Frühstückstisch sagte er: " Reiß dich auf Arbeit zusammen, denke an den Samstag. Ich weiß also aus Erfahrung, die Dreijährigen hatten Aufsicht über die Stifte. Eingeteilt wurde vom diensthabenden Dreijährigen über Wohl und Wehe. Hatte der Dreijährige Schüttauf Aufsicht dann fragte mein Bruder. " Bist du letzte Woche aufgefallen? Bei dem kann ich dich nicht retten. Gründe der Eingruppierung waren, nicht freundlich grüßen, beim Mittagessen vordrängen, Kritik aus den Ausbildungsbereichen in den der Diensthabende sich vorher erkundigt hatte und herausfordernd ansehen.

Auszeichnungen beim Putzen waren im Werkzeugbau im Glaskasten der Kopierfräsmaschine (war das nicht das Lehrenbohrwerk? - Reiner) putzen. Denn da brauchte man nur ein Staubtuch.

Mittlere Arbeiten waren Straße fegen, Werkzeugbau fegen, allgem. Maschinen putzen. Strafen waren die von Volker beschriebenen Wotan- Rund- und - Längsflächenschleifmaschinen. Das war alles reine Handarbeit und den Gestank der verbrauchten Schleifemulsion bekam man trotz heftigem Waschen nicht weg. Aufbegehren war ein Freibrief für die nächste Woche an der gleichen Maschine.

Eine weitere unbeliebte Strafe war in der Schmiede für den Härtevorgang ( Aufkohlung ) in dem fensterlosen Raum die grobe Holzkohle klein zu stampfen. ( Eigene Erfahrung) Ansonsten ging die Putzen schnell und reibungslos über die Bühne. Fertig waren wir aber gesamt erst dann, wenn der aufsichtführende Dreijährige zufrieden war. Ich kenne da noch die Gruppenstrafe in der Waschkaue im Keller des Werkzeugbau. Daran habe ich aber nie teilnehmen müssen. Zum Abschluß hatte ich in der Lehrzeit begriffen, das man bei jedem tun überlegen muß: "Wem nützt es?".

Euer Roland Schwaten.

Zur Eingangsseite
Zurück zur vorangehenden Seite