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Historisches

Zahlreiche naturwissenschaftliche Entdeckungen sowie technische Neuerungen führten am Ende des 19. Jahrhunderts zu einem stetig wachsenden Informationsbedürfnis unter der Bevölkerung.

ALEXANDER VON HUMBOLDT leistete dank seiner herausgehobenen wissenschaftlichen Reputation und gesellschaftlichen Anerkennung einen entscheidenden Beitrag, dieses Bildungsideal Wirklichkeit werden zu lassen. Von 1827 - 1828 hielt er an der Berliner Universität 61 Vorlesungen und 16 öffentliche Vorträge - die sogenannten "Kosmos-Vorlesungen" - zur Vermittlung eines naturwissenschaftlichen Weltbildes. Diese Vorlesungen können als der entscheidende Ausgangspunkt für die Gründung wissenschaftlicher Bildungsvereine, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Berlin, aber auch in anderen Städten entstanden sind, angesehen werden.

In den Jahren 1886/87 entwarfen der Astronom und langjährige Direktor der Berliner Sternwarte, Wilhelm Foerster (1832 - 1921), sowie der Naturwissenschaftler Max Wilhelm Meyer (1853 - 1910) erste Pläne zur Konstituierung eines Bildungsvereins. Es gelang ihnen außerdem, den Industriellen Werner von Siemens (1816 - 1892) als weiteren Wegbereiter und aktiven Förderer dieser Idee zu gewinnen. 1888 erfolgte durch die genannten Persönlichkeiten die Gründung der "GESELLSCHAFT URANIA" mit Sitz in Berlin, deren Aufgabe lt. Satzung vor allem in der "Verbreitung der Freude an der Naturkenntnis" lag.

Mit dem Namen "URANIA" wird Bezug genommen auf die Muse der Sternenkunde. Ungewöhnlich für diese Zeit war die Art und Weise der Wissensvermittlung. Im eigenen Vereinsgebäude präsentierte die Gesellschaft eine astronomische, physikalische und mikroskopische Abteilung sowie ein wissenschaftliches Theater. Hier konnte der interessierte Bürger nicht nur moderne Apparate und Instrumente aus Wissenschaft und Technik bestaunen, sondern sich auch selbst mit der Funktionsweise vertraut machen.

Von besonderem Publikumsinteresse waren jedoch die

"dekorativ ausgestatteten Vorträge", wobei eine größtmögliche Anschaulichkeit in der Wissensvermittlung erreicht werden sollte. Eine zentrale Forderung der URANIA-Gründer wurde in dieser Veranstaltungsform umgesetzt, nämlich:

"... die Wissenschaft in möglichst leichtfasslicher und anregender Form, gewissermaßen spielend zu vermitteln.

So begann ein neuer Weg auf dem Gebiet der Volksbildung. Die URANIA konnte bereits im ersten Jahr ihres Bestehens auf eine außergewöhnlich erfolgreiche Arbeit verweisen, so dass es bald zu weiteren Vereinsgründungen kam: 1894 in Magdeburg, 1895 in Wien, 1924 in Jena, aber auch in Kassel, Hamburg, Budapest und Prag, um nur einige zu nennen. Allgemein kann eingeschätzt werden, dass sich die URANIA-Veranstaltungen sehr schnell zu Besuchermagneten entwickelten.

Nach dem 1. Weltkrieg setzte jedoch für die Bildungsvereine in Deutschland eine schwierige Zeit ein. Nachkriegswirren, Inflation, politische Entwicklungen, die Etablierung von Volkshochschulen u.v.a.m. führten zur Auflösung einiger URANIA-Gesellschaften. Die Berliner "URANIA" arbeitete noch bis zum Beginn des 2. Weltkrieges, versank dann jedoch in die Bedeutungslosigkeit.

1953 wurde die Arbeit dank einiger Enthusiasten neu belebt und mit Hilfe verständnisvoller Förderer intensiv fortgesetzt. Bis zum Mauerbau 1961 nahmen viele Bürger aus dem Ostteil der Stadt an den Veranstaltungen der "Deutschen Kulturgemeinschaft URANIA-Berlin e.V." teil.

1954 kam es in der DDR zur Gründung der "Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse" mit dem Ziel, "den Werktätigen in Stadt und Land neue Möglichkeiten zu bieten, ihr Wissen über die Vorträge in Natur und Gesellschaft ständig zu erhöhen".

1966 nahm die Gesellschaft den Namen "URANIA" an und wollte somit eine eindeutige Verbindung herstellen zwischen ihrem Anliegen und den historischen Wurzeln. Vom Charakter her entwickelte sich die Gesellschaft zu einer Referentenvereinigung, wobei folgende Schwerpunkte gesetzt wurden:

-Vorträge auf Bestellung, vor allem angefordert von Betrieben, Institutionen, gesellschaftlichen Einrichtungen und Schulen
-Vorträge bzw. Vortragsreihen zu speziellen Themenkomplexen für ein allgemein interessiertes Publikum. Genannt seien als Beispiele die "Medizinischen Sonntage" bzw. Experimentalvorlesungen.

Für diese Veranstaltungen standen in verschiedenen Großstädten 16 öffentliche Vortragszentren zur Verfügung. Gemeinsam mit den Medien (Rundfunksender und Fernsehen) wurden über 100 populärwissenschaftliche Sendungen produziert.

Darüber hinaus erfolgte die Gründung eines eigenen URANIA-Verlages Leipzig - Jena - Berlin, der sich mit seinen zahlreichen interessanten populärwissenschaftlichen Publikationen im In- und Ausland großes Ansehen erwarb.

Im Jahre 1989 konnte die URANIA in der DDR ca. 50.000 Mitglieder verzeichnen überwiegend solche mit akademischer Bildung. Etwa 60% aller Mitglieder waren als aktive Referenten tätig.

Nach der politischen Wende setzte ein tiefgreifender Prozess struktureller, personeller und inhaltlicher Erneuerung, ein verbunden mit einer kritischen Sichtung der in der DDR geleisteten Bildungsarbeit und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Verantwortung.

Der Inhalt dieser Seite wurde ausschnittsweise aus www.urania.in-gotha.de/history.html übernommen.


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